Alles ist gut. Und trotzdem nervt alles.
Veröffentlicht am: 11.09.2026 von kzwer
Manchmal sitzt mir jemand gegenüber, bei dem eigentlich alles stimmt.
Guter Job. Verantwortung. Erfolg. Ein gutes Umfeld. Eigentlich alles, was man sich beruflich wünschen kann.
Und trotzdem kommt irgendwann der Satz: „Ich bin einfach viel schneller genervt als früher.“
Meetings nerven. Kleinigkeiten nerven. Eine E-Mail, über die man früher einfach hinweggegangen wäre, beschäftigt einen plötzlich den ganzen Tag.
Und dann kommt oft noch: „Eigentlich kann ich mich ja nicht beschweren.“
Genau dieses „eigentlich“ finde ich interessant. Denn vielleicht ist gar nicht das Außen das Problem. Vielleicht hat sich einfach etwas in uns verändert Die Rolle, die einmal genau richtig war, passt nicht mehr. Die Verantwortung ist gewachsen, aber die eigene Entwicklung nicht im gleichen Tempo. Oder das Leben, das wir uns aufgebaut haben, funktioniert noch immer wunderbar. Nur wir selbst haben uns verändert.

Gerade bei erfolgreichen Menschen passiert das häufig. Man hält lange an Dingen fest, die einmal richtig waren: an einer Position, einem Führungsstil, einer Arbeitsweise oder einem bestimmten Bild vom eigenen Leben.
Warum sollte man etwas verändern, wenn es doch funktioniert?
Also macht man weiter.
Man funktioniert. Man liefert. Man übernimmt Verantwortung.
Bis man irgendwann merkt:
Irgendetwas passt nicht mehr.
Das muss nicht gleich eine Krise sein. Und es muss auch nicht bedeuten, dass alles falsch ist. Doch möglicherweise ist es ein Hinweis. Darauf, dass etwas neu gedacht werden möchte. Dann hilft es nicht immer, noch mehr auszuhalten oder sich noch besser zu organisieren.
Vielleicht hilft eine andere Frage:
Was passt in meinem Leben eigentlich schon länger nicht mehr zu mir?
Denn manchmal ist Genervtheit kein Stressproblem. Sondern ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, dass sich etwas verändern sollte.
Nicht unbedingt im Außen. Vielleicht zuerst in uns selbst.
